Was ist Hochsensibilität?

 

 

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.“ Jesus

 

Fast 20 Prozent der Menschen haben eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit. Sie nehmen Dinge eher wahr als andere und verarbeiten ihre Wahrnehmungen außerdem gründlicher. Mit dieser Fähigkeit sind eine ganze Reihe besonderer Begabungen verknüpft, allerdings auch besondere Herausforderungen für die Betroffenen. Die wichtigste Herausforderung besteht im Schutz der eigenen Person vor Überreizung durch zu viele Wahrnehmungen. Hochsensible haben eher als andere Menschen genug vom Trubel und sehnen sich dann nach Rückzug und Ruhe.

Der Begriff der „hochsensiblen Persönlichkeit“ (HSP) ist noch jung. Er wurde 1996 von der Psychologin Elaine Aron geprägt, nachdem sie ihre eigene Hochsensibilität entdeckt und erforscht hatte. Sie vermutet, daß Hochsensibilität durch schwächer eingestellte Wahrnehmungsfilter im Nervensystem verursacht werde. Die Filter schützen uns vor Überlastung durch Umweltreize, die in viel größerem Maße auf uns einstürmen, als wir sie verarbeiten könnten. Wahrnehmungen, die Hochsensible nicht sofort verarbeiten können, landen zunächst in einer Art „Zwischenablage“ und werden später nachverarbeitet. Das zeitversetzte Denken ist ein typisches Merkmal Hochsensibler.

Viele hochsensible Menschen wissen nichts von ihrer Begabung. Sie erleben nur deren Kehrseite der schnellen Überreizung und des langsamen Denkens. Sie spüren, daß sie anders sind als die anderen, fühlen sich oft unverstanden und haben oft das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen. Kein Wunder – sind doch Lautstärke und Tempo dieser Welt an die Mehrheit der normal sensiblen Menschen angepaßt. Erst wenn Hochsensible erfahren, daß ihr Anderssein einen Namen hat, und daß sie damit nicht allein sind, können sie sich mit ihrer Begabung versöhnen und ihren Platz in der Welt bewußt suchen.


Der Beitrag Hochsensibler: Eine Geschichte als Beispiel

In der Bibel bin ich auf eine interessante Geschichte gestoßen, die sehr schön illustriert, wie die besondere Art Hochsensibler zu denken, eine verfahrene Situation verändern kann (nachzulesen ab Apostelgeschichte 5,17).

Jerusalem nach der Kreuzigung Jesu: Petrus und seine Freunde beginnen plötzlich im Tempel zu predigen, daß der Gekreuzigte auferstanden sei und Wunder tue. Das bringt die ganze Stadt in Aufregung. Der Hohe Rat verhaftet Petrus und die anderen und verbietet ihnen zu predigen. Kaum draußen, predigen sie wieder. Die Sache spitzt sich zu. Erneut stehen sie vor der Obrigkeit. Die Diskussion dreht sich im Kreis und eskaliert: Am Ende geht es um die Todesstrafe.

Da ergreift ein Ratsmitglied namens Gamaliël, der bisher geschwiegen hat, das Wort. Er bringt die Angelegenheit in einen größeren Zusammenhang. Er erinnert daran, daß schon zwei Mal Anführer Anhänger um sich geschart und den Aufstand geprobt hatten. Beide Male verlief sich die Sache, als die Anführer starben. Deshalb schlägt er nun vor: „Laßt diese Leute laufen. Wenn es Menschenwerk ist, geht es von selbst vorbei. Wenn es Gottes Werk ist, können wir nichts dagegen tun, und dann sollten wir nicht gegen Gott gekämpft haben.“ Das verändert die eben noch so angespannte Situation schlagartig, das Kreisen der Argumente endet, eine Entscheidung kann getroffen werden.

Was tat Gamaliël? Er war zunächst still, hörte nur zu. Er wirkte auf die anderen vielleicht desinteressiert oder abwesend. Doch er war voll dabei, und in seinem Innern reifte ein Gedanke heran. Dieses Arbeiten im Stillen ist sehr typisch für hochsensible Menschen und die Voraussetzung für ihren weiterführenden Beitrag. Gamaliël erweiterte den Horizont, zog zusätzliche Informationen für die Entscheidungsfindung heran, stellte Querverbindungen zu vergangenen Ereignissen her, und stellte die ganze Situation in einen neuen Kontext. Eine sinnvolle Entscheidung war aufgrund der verfahrenen Diskussion nicht möglich. Als Gamaliël zum Perspektivwechsel eingeladen hatte, war die Entscheidung plötzlich ganz leicht. Gamaliëls Initiative hat seine Kollegen vor einem nicht wieder rückgängig zu machenden Fehler bewahrt.

In unserer immer komplexer werdenden Welt stehen wir vor immer schwierigeren Entscheidungen. Der Versuch, eine Entscheidung aus der Sache selbst herzuleiten, gelingt in der Regel nicht. Entscheidungen werden erst möglich, wenn ein erweiterter Kontext neue Informationen verfügbar macht. Den Horizont erweitern – das ist die Leistung, für die Hochsensible in besonderer Weise begabt sind. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf diese Begabung zu verzichten.


Die Notwendigkeit höher sensibler Individuen

 

Biologen und Tierärzte haben bei höheren Tierarten ebenfalls 20 Prozent höher sensibler Individuen ausgemacht. Diese Forschungsergebnisse legen nahe, daß Hochsensibilität offenbar eine unverzichtbare Funktion für die Gesamtpopulation haben müsse. Beim Menschen zeigt sich das darin, daß Hochsensible bevorzugt in bestimmten Berufsgruppen anzutreffen waren und sind: An der Seite der Herrscher waren es die Hochsensiblen, die als Ratgeber und Warner Möglichkeiten erkannten m vor Gefahren warnten und den Zusammenhalt der Gesellschaft wahrten.

Auch heute sind Hochsensible oft als Berater, Mediziner, Künstler, Wissenschaftler, Lehrer, Historiker und heuzutage auch als Programmierer tätig. In diesen Bereichen haben sie verstärkt natürliche Gaben. Leider sind an die Stelle der Begabung heute standardisierte Ausbildungen getreten, statt Qualität zählt heute Quantität, Hektik ersetzt überlegtes Handeln. Das treibt Hochsensible aus ihren angestammten Bereichen an den Rand der Gesellschaft. Ihr Fehlen an den Schlüsselpositionen der Gesellschaft drückt sich in der wachsenden Unmenschlichkeit der Arbeitswelt aus. Um in der Welt wieder mutig in Erscheinung treten zu können, benötigen Hochsensible besondere Beratung und Ermutigung. Ohne sie fehlt der Welt etwas!

Selbst hochsensibel, habe ich mich auf Coaching für Sensible spezialisiert und meine Coachingangebote speziell auf die Besonderheiten und Bedürfnisse sensibler und hochsensibler Menschen zugeschnitten. Die meisten Coaches haben leider keine Erfahrung mit sensiblen Menschen und können sie deshalb nicht angemessen beraten. In mir finden Sie einen Coach, von dem Sie sich verstanden fühlen können.

 

Sie wollen wissen, ob Sie hochsensibel sind? Dann gehen Sie einfach zum HSP-Test auf www.zartbesaitet.net.